Am Dürrenstein essen sie Katzen (nicht wirklich)

Ich sag’s, wie es ist: ich hab das zu Hause mit keinem guten Gefühl verlassen. Weil Kater Manfred schwer angeschlagen und die Sorge um ihn bleischwer. Manfred ist nicht irgendwer, er ist das Familienhascherl und hat damit das Anrecht auf Sorge gepachtet.

Trotzdem. Martin und Georg (das #mz17 Pack war nicht vollzählig) erfolgreich eingesammelt und uns nach Lunz an den See gebracht. Das Auto am Parkplatz (am einstimmig falschen) verstaut und los geht’s. Zum Eisstand. Dann auf den Weg. Das Ziel ist Lunz am See mit Umweg über die Ybbstaler Alm und den Dürrenstein. Dem stellt sich gleich einmal der Seekopf recht ambitioniert in unseren Weg. Dabei merke ich, wie kopflos ich vor der Abfahrt einiges liegen gelassen habe, und jetzt schmerzlich vermisse: Kopfbedeckung, Schweißtuch und kurzes Wandershirt. Was an sich kein großes Problem ist. Wenn es nicht gerade 30° hat.

Der Weg rauf zur Ybbstaler Hütte war steil, felsig und halbwegs gut markiert. Das gewohnte Piepsen von Christian’s Gerätschaft bei Abzweigung und Cache hat ein wenig gefehlt. So wie er selber auch. No Christian, no cache, no Pause! Was mir als Schlusslicht keinen Vorteil verschafft hat. Der Aufstieg war trotzdem halbwegs gemächlich. Wenn Apotheker und Piloten aus ihrem Nicht-Wanderer-Leben erzählen, sind die Leiden des jungen G. beim Aufstieg nicht ganz so bitter.

Das Wetter hat -wie der Ostösterreicher so schön sagt- gehalten. 2 Tage Sonnenschein pur. Unsere Nacken und Gesichter sind Zeugen. Nach ca 5 Stunden Aufstieg dann auf der Ybbstaler Hütte zur Übernachtung im Bettenlager angekommen. Ein bisserl schiach wildromantisch war die Mondlandschaft da oben auf der Wiesenalm schon. Stürme und Käfer haben dem Baumbestand in den vergangenen Jahren übelst(!) mitgespielt. Aufforstung is in the making aber dauert da oben (1400m) das eine oder andere Jahrzehnt. Apropos Klimawandel. Leidiges Thema, aber nur schwer zu übersehen, man müsste schon sehr ignorant sein. Trotzdem, die Hütte ist sehr, sehr zu empfehlen: Herzliche Wirtsleut (kooperativ bei Umbuchungswünschen), sauber (die Hütte), 4 von 5 Sternen auf der Schmackofatzskala, rund um die Hütte haufenweise Kühe und Kälber in Muttertierhaltung und dann noch der Ausblick ins Panorama: mörder! Alles in allem eine sehr entspannte Zeit dort oben.

Tag 2

Beim Frühstück höre ich ein Gespräch am Nebentisch mit, bei dem Erfahrung mit Haustieren ausgetauscht werden. Nicht alle in der Runde sind autochton. So erzählt eine Dame, dass sie 6 Katzen habe, ihre Nachbar aus dem selben Haus ebensoviele. Darum sei das Wegfahren zum Wandern kein Problem, weil „wir essen die Katzen gegenseitig“. Das klingt in live möglicherweise witziger. Manfred geht es glücklicherweise schon besser.

In aller Herrgottsfrüh rauf auf den Dürrenstein, noch 400 hm sind zu überwinden. Felsig, löchrig (da oben gibt’s haufenweise Schächte und Höhlen), waldig, sonnig, immer gut markiert und nicht zum Fürchten oder Schwindeln geht es kommot rauf zum Gipfelkreuz. Foto, Foto, Aussicht genießen, durchatmen. Stille und Frieden inhaltieren. Konservieren. Das Geschafft-Gefühl dabei beobachten, wie es einsickert.

Panoramablick am Dürrenstein

Dann runter. Macht nicht so viel Spaß wie rauf. Eh noch nie. Diesmal hab ich mich aber für die flachen Wanderschuhe (absichtlich) entschieden. Das hilft beim Hinauf, weil sie leichter sind und weniger Kraft verlangen. Beim Runtergehen auf felsigem und steinigen Untergrund kommen die Nachteile zum Tragen: weniger Material zwischen Haut und Fels, mehr Aua.

Abstecher zur Herrenhütte. Originell. Reduced to the max: saukaltes Quellwasser, pfandfreies Dosenbier, bloßhapperte (for real!) Wirtsleut und ein Haushund, dessen Leine im Schwanz verbaut wurde. 3 Speisen zur Auswahl: Speckbrot, Käsbrot oder nix. Ich mag das. Weil trotzdem (oder deshalb) alle Gäste zufrieden mit der Welt gewirkt haben. Vielleicht auch nur erschöpft.

Dann den letzen Rest runter nach Lunz am See. Das klingt jetzt viel kürzer und aufregender als es war. Kein Brüllender Stier, kein Toter Mann. Aber erfrischende Quellen und stinkende Seen, denen die Luft ausgeht. Links und rechts kahle Flecken und Baumskelette in den Wältern ringsum. Wie gesagt, der Klimawandel und seine Auswirkungen sind nur schwer wegzuignorieren. Wir waren abgebrannt, ausgedörrt, müde und tendentiell zu weit weg vom Auto. Aber auch das geht vorbei. Kühle Getränke, Eis und ein Sprung in den See haben die Lebensgeister in Lunz wieder geweckt. Es war eine sehr gelungene Runde und Route.

Next stop: #mz17 wird nächstes Jahr 10! Klingt nach semantischem Fehler, ist aber so. Wir machen uns seit 10 Jahren gemeinsam auf den Weg. Eine herzerwärmende Tradition, die würdig zelebriert wird. Mir schwebt so ein Ötscher-Dürrenstein-Hochkar Gipfelhüpfen vor. Das aber auch nur, weil ich mich in der Dosierung der Schmerzmittel schwer verhaut hab.

PS: Manfred hat Krankheit und Sorten abgeschüttelt.

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