Auf dem Asphaltweg

Auf dem Asphaltweg

„Wenn es das Drei-Liter-Auto gäbe, ich würde ja eh damit fahren“ Bis dahin muss er sich mit der 10l-Variante abfinden. Mein Kollege hat seine persönlichen Klimaschutzziele hoch gehängt. Oft unerreichbar hoch. Altruismus und Bequemlichkeit sind halt nicht die dicksten Freunde.

Das gilt nicht nur auf persönlicher Ebene, auch Kommunen sind davor nicht gefeit. Meine Wohngemeinde Purkersdorf zum Beispiel. Einerseits lässt sie sich gerne eine „Klimaschutz Vorreiterrolle“ attestieren, andererseits tun sich da und dort Zweifel auf, ob sie weiterhin auf diesem Weg bleibt. Schwerer Vorwurf? Jo. Begründbar: auch.

Anlass dazu ist die Umgestaltung/Instandhaltung eines Parkplatzes: Vorher ein begrünter (Fahrrad-)Parkplatz mit Rasensteinen, jahrealtem Baumbestand, Buschwerk. Nachher ein reiner Autoparkplatz, mit Asphalt versiegelt, kein Baumbestand, eine errichtete Mauer wird mit der der Skyline von Bad Säckingen und den hängenden Gärten von Sanary-sur-Mer behübscht. Auch schön.

Der Schnee

Laut Selbstauskunft stellt man sich gegen die Versiegelung von Böden. Zumindest findet sich das noch im Klimabündniszeugnis 2018: „Wir ermöglichen eine maximale Versickerung von Regenwasser an Ort und Stelle“ Dem Vernehmen nach sei die Schneeräumung des Parkplatzes zu aufwändig. Ich sag’s ja nur ungern, aber … so oft wird es in Purkersdorf nicht mehr schneien. Und noch viel seltener wird der Schnee liegen bleiben. Und selbst wenn, bis jetzt war die Räumung auch kein Thema. Ach komm Purkersdorf, du kannst das besser!

Die Bäume

Bäumen werden auch keine mehr gepflanzt. Kein Schatten, keine Kühlung, blanker Asphalt, Beton, Stahl. Warum auch immer. Es gibt sicher 100 Gründe, die man anführen kann. Wenn man eine Stadt hingegen zukunftsfähiger und lebenswerter gestalten möchte, findet man 101 Gründe, doch Bäume zu pflanzen. Dafür wird die gegenüberliegende Straßenseite begrünt. „Es soll alles freundlich und sauber wirken“, so Bürgermeistern Steinbichler. Wirken (sic!). Und warum eigentlich entweder oder? Ach Purkersdorf, du kannst das besser!

Die Wirtschaft

Dafür verzichtet man leichtfüßig auf Fahrradstellplätze. „Der Wirtschaft“ mangle es an Parkplätzen, so sagt man. Ich fahre zwei, bis drei mal wöchentlich ins Zentrum von Purkersdorf. Entweder mit dem Fahrrad oder wenn nötig mit dem Auto. Einen Mangel an Parklätzen in dem Bereich Apotheke – Ströbel hab ich nie verspürt. Dass gleichzeitig die Anzahl der Fahrradparkplätze verringert wird, ist angesichts der Tatsache, dass man sich dem Fahrradverkehr ideologisch nahe gibt, eher.. dings.

Was man allerdings mit einem Mehr an Autoparkplätzen schafft, ist wissenschaftlich gut beleuchtet: mehr Verkehr. Purkersdorfs zentrale Verkehrswege sind verwinkelt, unübersichtlich, verstopft. Und die Antwort darauf soll sein: mehr davon? Abgesehen davon halte ich es für einen Denkfehler zu glauben, nur autofahrende Menschen sind Kunden. Purkersdorf, du kannst das besser. Sei kreativ, hol die Menschen mit dem Fahrrad ins Zentrum. Oder zu Fuß. Von den Kindern erwartet ihr es ja auch.

Die Hitze

Ich bin so frei uns zitiere eine aktuelle Aussendung des VCÖ, sie steht für sich selbst: „Langfristig gedachte, vorausschauende Maßnahmen für die Erreichung der Klimaziele sind für die sofortige Umsetzung im Instrumentarium der Stadtplanung zu verankern. Vor allem im Bestand wird dabei kein Weg vorbeiführen den Kfz-Verkehr drastisch zu reduzieren, der durch Flächenverbrauch, Bodenversiegelung, Wärmeabstrahlung und Luftschadstoffe die urbane Hitze verstärkt. „

Der Umweg

So, jetzt hab ich meine Sicht der Dinge offen gelegt, warum ich die Neugestaltung des Parkplatzes suboptimal finde. Natürlich ist das meine subjektive Sicht. Natürlich hab ich viele blinde Flecken und kenne nicht alle Details und Sachzwänge. Aber ich bleib trotzdem dabei, auch weil ich tief davon überzeugt bin: Purkersdorf, du kannst das besser. Let’s do this!

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