Kalkbrenner im Gasometer II

Nicht schnippen, schon gar nicht tanzen. Nicht am Bahnsteig an einem Montag um acht. Die Schnellbahn fährt ein, Sitzplatz. Sonnebrille und Schiebermütze ins Gesicht, weg sein. Gehörschutzmahnung am Player wegdrücken und Kopfkonzert. Immer bei Kalkbrenner. In Beats geformte Sehnsucht machen mich breit, Gänsehaut. I keep on crawling if I have to. Ein leichtes Kopfnicken verrät mich. Ways Over Water müsste mit auf die Insel.

Am Wochenende war das noch anders mit der Zurückhaltung. Nicht, dass ich ein großer Tänzer vor dem Herrn wäre, aber live und unter gleichgesinnten kann sogar ich Hemmungen wegschieben. Mein zweites Kalkbrennerkonzert, auch von der Platzierung her. Es war gut, aber nicht bahnbrechend. Es liegt am Album. Grand Depart ist nur Mittelmaß. Keiner der Albumdurchläufe zuvor ist mir in Erinnerung geblieben. Kein Beat, kein Soundschnipsel hat sich festgehakt. So war dann auch die Stimmung im Gasometer: verschwommen indifferent. Kein Zweifel, er kann Musik machen, also rein handwerklich. Der Scheitel akurat, jeder Dreh an den Reglern sitz, er hat Bock. Die Ansagen zwischen den Tracks hölzern und unbeholfen. Keine Sehnsucht.

Erst als er die Tracks von Ways Over Water auspackt reichen ein paar Samples um die Halle an die Kandare zu nehmen. Der Mob zuckt gepflegt aus, eine Stunde Vollgas. We take the heart of the city. Mehr als nur ein Schnippen.

Offener Bücherschrank in Purkerdorf

Purkersdorf hat einen offenen Bücherschrank. Direkt am Hauptplatz, neben dem Fürstenbergbrunnen. Das Projekt wurde von Leo Nemec jun. angestoßen und von der Gemeinde umgesetzt. 

Bücherschrank?

Ein offener Bücherschrank ist ein öffentlicher Ort, an dem Bücher asynchron und analog getauscht werden. Empfehlenswerte Werke reinlegen, schnuppern, stöbern und im Austausch andere wieder mitnehmen. Oder auch nur mitnehmen oder nur reinlegen.  Also alles recht locker. Hauptaugenmerk liegt auf dem (kostenlosen) Austausch. Die Kategorien scheinen sich gerade zu entwickeln: Kinderbücher, Romane, Fremdsprachig, whatever.

Lageplan Bücherschrank

Lageplan Bücherschrank

Regeln?

Die ausgehängten Benützungsregeln sind sehr weit gefasst. Unterm Strich: keinen (geistigen) Müll ablagern. Ich sehe einen Bücherschrank als einen Tummelplatz für all das, was Bücher zu leisten im Stande sind: Abenteuer, Wissen, Kopfkino, Neues, Ungedachtes, Buntes.  Raus aus der eigenen Bubble, bekannte Denkpfade und Lesemuster verlassen und zu einem ungewohnten Buch greifen. Kostet ja (abgesehen von Zeit und Mut) nichts.

Also: tauschen, was das Bücherregal hergibt!

Vorlage

Ungeschriebene Gesetze sind manchmal nicht mit dem Rechtssystem im Einklang. Dennoch gibt es sie. Unter erlebnisorientierten Fußballfans gibt es sie auch. Ich wurde vor kurzem wieder daran erinnert: Spieltag, ich wollte  vor dem Spiel Freunde in einem Lokal treffen, daher führte mich der Weg ungewohnter weise am Gästesektor vorbei. Dort angekommen -an meinem Schal war einwandfrei zu erkennen, dass ich kein Gast war- stellt sich mir ein Exekutivbeamter in den Weg. Ich erkläre ihm meinen Plan, er  mustert mich, deutet mit einer Kopfbewegung auf meine Devotionalien und meint „da sollten’s aber lieber rundherum gehen, nicht am Gästeblock vorbei“. „Darf ich nicht durch?“. „Freilich dürfen’s durch, aber… sollen tun’s nicht“, verleiht er seinem guten Rat Nachdruck. Ja, eh klar. Hätte ich meinen Weg fortgesetzt, hätte ich im Idealfall meinen Schal „abgegeben“. Schlimmeres wäre wahrscheinlicher. Und ich hätte mich nicht beschweren zu brauchen. Ungeschriebenes Gesetz eben. 

So ist das auch, wenn man als erklärter Rechtsnationaler auf eine erklärte linkslinke Demo geht. Bewaffnet. Also dürfen tut man schon, aber sollen wär ganz schön dämlich. Danach sudern ist so typisch wie überflüssig.

Rund um Wien – Etappe 1

Einmal um Wien herum gehen. Zum ersten mal hab ich als Kind davon gehört und geträumt. Dass das zwar möglich, ein Tag dafür aber schon sehr knapp bemessen sei. Die Quelle dieser wahnsinnigen Idee kann ich nicht mehr nennen. Jedenfalls lag sie falsch. Es dauert zirka 120 km. Wie lang auch immer man dafür braucht, aber ein Tag ist dafür eindeutig nicht ausreichend. Die Stadt Wien teilt die Strecke in 24 Etappen. Die erste hab ich mit Rana (Name der Redaktion bekannt) hinter mich gebracht.

Leopolds Berg

Startplatz Nussdorf quasi Donaufritzi. Die Donau entlang bis zum Kahlenbergerdorf, dort den Nasenweg rauf auf den Leopoldsberg. Das klingt jetzt so einfach: rauf. Schneetreiben, Minustemperaturen und ausgefuxte Eisplatten machen das ganze zu einem ausgewachsenen Aufstieg. So. Wer konnte im Winter auch mit sowas rechnen?

Wären wir ein Jahrhundert früher dran gewesen, wir wären möglicherweise mit der Zuckerlbahn raufgefahren. Es gab eine Standseilbahn und eine Zahnrahdbahn auf die Wiener Hausberge. Die eine hat kurz vor dem Halt gezuckt, die andere hat bei der Abfahrt heftig geruckt. Das klingt jetzt nach einem Gschichtl, aber es ist trotzdem wahr. Jedenfalls wurde die zuckende verkauft an die ruckelnde. Beide gibt es heute nicht mehr. Irgendwie hat die Zuckerlbahn jedoch überlebt: als sie im Tal abgebaut wurde hat man Teile von ihr für den Aufbau der Stefaniewarte wiederverwendet. Später Sieg.

Zurück zu unseren wackeren Bestrebungen eine senkrechte Eislaufbahn hinaufzurutschen. Die Anlage auf dem Leopoldsberg ist geschlossen, weil Baustelle. Vor etlichen Jahren war ich dort Gast einer Hochzeit, meine Erinnerung daran ist so verblasst wie der Blick aufs nebelige Wien. Die Ehe ist mittlerweile auch eine Baustelle.

Kahlenberg

Rüber zum Kahlenberg, der übrigens früher Sauberg hieß. Der Leopoldsberg dafür Kahlenberg. Umbenannt wurden beide, weil ein Leopold an einem Kriegsschauplatz mit einer baulichen Huldigung versorgt werden sollte. Wie gesagt: heute alles Baustelle.

Unsere emotionale Nagelprobe war ein Linienbus mit laufendem Motor, dem wir widerstehen mussten. Dem Schneetreiben trotzend ziehen wir die Kapuze noch tiefer ins Gesicht, stemmen uns vehementer gegen den Sturm und lassen den Bus rechts liegen. So muss es Odysseus ergangen sein. Was für ein tapferer Mann.

Abschluss

Vorbei am Klettergarten hin zur Kirche St. Joseph. Erster Halt zum Teetrinken. Der Sturm hat nachgelassen, den Weg zur Aussichtsplattform sparen wir uns, Wolken sehen von innen sehr unspektakulär eintönig aus. Wir wandern also frohen Mutes weiter zum Cobenzl. Frischer Schnee, klare Luft, der Aufstieg hatte sich gelohnt. Beim Gasthaus am Cobenzl lassen wir den Nachmittag bei Plausch und Trank ausklingen. Ein perfekter Einstieg in einen Kindertraum.

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Partei Soll Tat

Ich bin bereit. Ich bin dazu bereit, mich in den Dienst der Sache zu stellen. Der Ruf der Macht hat mich ereilt, meine moralischer Kompass dreht sich hart am Wind. Meine Ideologische Ausrichtung ist auf Linie. 

Ich bin ein Krieger des Lichts und erhelle dunkle Soziale Kanäle mit deiner Idee. Meine Waffe soll das Wort sein. Es sei kein Schwert mit feiner Klinge, ein Prügel soll wüten unter den Ungläubigen. Deren Kritik soll bersten unter der Kraft meiner blinden Verbohrtheit. Den Willen der Partei verteidige ich als wär er mein Augenlicht, sie wird mich ohnehin leiten.

Die Westen meiner Götter sind schneeweiß und mögen es bleiben. Deren Besudelungen lecke ich gekonnt mit behender Zunge, kein öffentlicher Makel soll dem edlen Gewande anhaften. Das Wort der keifenden Journaille wende ich ab vom Antlitz der selbstgerechten. Ich stelle mich in Shit des Storms. Meine geistige Integrität trage ich opferbereit zu Markte. Was von den Trögen abfalle, sei dafür mein Sold.

Partei, ich bin bereit.

PS: Was ich noch wissen muss: reichen Screenshots meiner Dienste in den Sozialen Kanälen oder gibt’s da eh interne Watchdogs? Nur zur Sicherheit.

FC St. Pauli – Alles drin

Der Besuch am Millerntor ist nicht spurlos an meinem Fußballherz vorübergegangen. Klassisch angefixt. Da steckt doch mehr dahinter. Also hab ich mir das Buch Alles drin von Christoph Nagel und Michael Pahl zur Brust genommen. Dass beide Kenner der Materie sind, glaube ich nach der Lektüre aufs sprichwörtliche Wort.

Das Buch ist ein Umriss des Vereines in Form einer handlichen Chronik. Von den Anfängen als Turnclub bis zum aktuellen (zeitweise erstklassigen) Profiverein. Nach vielen Bonmots, G’schichtln und Fakten, glaub ich nun, eine Idee davon zu haben, was die Magie des Magischen FC St. Pauli ausmacht.

Lesbarkeit, Struktur und launiger Unterton machen die 126 Kapitel zum schnellen Vergnügen. Empfehlung? Fix.

FC St. Pauli vs 1. FC Nürnberg oder: par pari referre

Am Millerntor. Oft gehört, noch nie erreicht. Vom Mythos St. Pauli erzählt man sich sogar noch im entfernten Niederösterreich. Von politisch linksorientieren, enthusiastischen Fans wird berichtet, die Vollbart und Bier mit dem Rennrad ans Millerntor fahren. Der Mörtel zwischen den Klinkersteinen ist Basisdemokratie, ein wahrer Mitgliederverein. Gesungen wird immer, man steht zu seinem Verein und zwar immer. Soweit meine Vorurteile.

Dass mein -kurz vor Abreise glücklich ergatterter- Sitzplatz in Leder gehalten ist, ist mir dann fast ein wenig peinlich. Andererseits musste ich so richtig dafür löhnen. Auch in Hamburg kostet Fußball Geld.

Der FC St. Pauli empfängt den 1. FC Nürnberg. Die Kiezkicker sitzen im tabellarischen Keller fest, stehen einen Tag vor der Beurlaubung ihres Sportlichen Leiters, Verletzungspech auch, Brandrede eines wütenden Trainers noch im Gewissen. Die Fans sehen das mit Gelassenheit oder als Herausforderung. Der Kapitän begrüßt den Capo per Handschlag.

Die Gastgeber spielen ein Vereinslied der Gäste über die Stadionlautsprecher. Das Lied endet, die Gäste brüllen „Scheiß St. Pauli“ und boxen in Rudel und Rhythmus den Himmel. St. Pauli klatscht. Ich verstehe Bahnhof. Der Gästeblock verstummt.

Anpfiff. Ein flottes Spiel, St. Pauli geht bald in Führung und busselt im Kollektiv seinen Trainer. Ich glaub, die mögen den. So richtig. Ein paar Minuten später der Ausgleich durch Burgstaller. Dann Verletzungspech bei St. Pauli und dann nix mehr bis zum Abpfiff.

Von den Tribünen ist beidseitig während des ganzen Spiels viel zu hören. Immer wieder „Scheiß St. Pauli“-Gejohle aus dem Gästeblock. Die Antwort stets: Klatschen. Das Gejohle verstummt in Irritaion. Langsam verstehe ich.

Das Spiel ist zu Ende, die Kurve feiert den Punkt wie einen Sieg. Erleichterung und Euphorie greifen Raum, sind spürbar. Wow. Gänsehaut. Ich mag die Stimmung. Ich mag, wie sich dich Kiezkicker bis zum Umfallen aufopfern, wie der Block Gleiches mit Gleichem zurückzahlt. Eine schöne Harmonie, die kein Aufgeben kennt. Gegenseitiges Stützen auch im Keller.

Schön war’s. Sehr schön. Ein bisschen etwas vom Mythos St. Pauli hab ich verstanden, lang noch nicht alles. Wenn ich wieder in der Nähe bin, bin ich dabei. Muss ja nicht Leder sein.

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(fast) Presseprofi mit Christoph Luke

Erster Pressetext ist draußen. Schwere Geburt irgendwie. Der Text ist weder lang noch witzig. Ein Event positiv schriftlich darstellen und einem Redakteur mundgerecht so aufbereiten, dass er zuschnappt. Hoffentlich. Das ist  mein Verständnis von Pressearbeit. Besonders sympathisch finde ich es nicht, aber halt part of the game. Zum Profi werde ich dabei nicht, eine Annäherung ist mir aber willkommen.

Ein wenig Unterstützung habe ich dabei: der PR-Profi Christoph Luke ist auf Marketingtour und bietet einen Teil seines Wissens im Rahmen der kostenlosen Serie Pressearbeit leicht gemacht – in sieben Schritten zum Erfolg. Eine anschauliche Anleitung um selber loszulegen. Es sind erst Teile eins bis drei draußen, aber ich kann das Angebot bereits jetzt für mich nutzen.

Dieser Hinweis erfolgt natürlich vollkommen unentgeltlich und ohne Aufforderung. Es ist meine Art mich für sein Angebot zu bedanken. Thx, Pressebrudi.

Photo by Mike Wilson

Krav Maga in Purkersdorf

Gerade trudelt die Anmeldebestätigung ins Postfach:  ab Oktober also wieder ein Kurs in Krav Maga. Ich freu mich drauf!

Wos isn des?

Krav Maga ist ein Selbstverteidigungssystem. Keine Mystik, kein Brimborium, einfach nur dem Angreifer die Schneid abkaufen. Möglichst effizient und möglichst so, dass mir danach weniger weh tut als dem Angreifer. Bisher hab ich es nicht gebraucht, Joki Kirschner würde mir aber recht geben:

Selbstverteidigung macht glücklich, wenn man rechtzeitig drauf schaut, dass man’s hat, wenn man’s braucht

Den Kurs hab ich im Frühjahr schon besucht. Lauter nette Leut, mit denen man in guter Stimmung Krav Maga übt. Abwehren, rausdrehen, dorthin pracken, wo’s weh tut, aus der Affäre ziehen. Weglächeln.

Wer

Ein Kurs steht und fällt mit dem Können des Lehrers. Sigfried „Sigi“ Laurenz Rapf ist ausgebildeter Krav Maga Trainer und über Zweifel erhaben. Ein stets fröhliches Gemüt gepaart mit Know How. Wenn er nicht gerade Laien im effizienten Gogerlzwicken unterrichtet, bringt er richtigen Sportlern das Boxen bei.  Er weiß also was er tut und wie man Kopf und Kampf verbindet. Leiwander Typ.

Was mich besonders beeindruckt: er hat auf die Frage, wie man denn mit einer Schlägerei im Aufzug(!) umginge, nach kurzer Nachdenkpause geantwortet: „Ajo, des hob i scho amoi g’hobt. Oiso, do ….“. Expertise halt.

Wo

Details und Infos zur Anmeldung findest du auf der Seite der Sportunion Purkersdorf.