no title for that

„Niemand soll in das Grab seiner Kinder hinabschauen müssen“. Ich weiß nicht mehr, aus welchem Film das Zitat stammt, aber es hat sich im Hinterkopf festgesetzt und einer Urangst Gestalt verliehen. Für Reinhard Mey ist diese Angst nun Realität geworden, sein Sohn ist gestorben. Diese Nachricht nimmt mich mehr in Beschlag als mir lieb ist. Einerseits weil es mich an unsere eigene Geschichte erinnert: Jahrelang strampeln im luftleeren Raum, das Damoklesschwert schönreden und aus nichts Hoffnungen stricken, weil die Tatsachen dafür nicht ausreichen.

Andererseits berührt es mich, weil mich Reinhard Mey in seiner Rolle als fürsorglicher Vater begleitet, seit wir selbst Eltern sind. Und zwar mit dem Konzeptalbum „Mein Apfelbäumen“, das immer wieder am Plattenteller landet. Es dreht sich rund um die Liebe zu seinen Kindern. Es war der musikalische Rahmen für Mausezahn’s Taufe.

Noch 100 Tage

Zumindest ist es meine Wahrnehmung: in 100 Tagen wird das Europäische Parlament neu gewählt. Verglichen mit einem nationalen Wahlkampf, ist es noch sehr, sehr ruhig.

Was mich seit meinem ersten Posting zum #EP2014 aufgefallen ist: es gibt mannigfaltig Information zum Thema EU. Die Organisation selbst stellt einiges an Information zur Verfügung. Ob Livestream aus den Debatten, Newsfeeds, Infografik oder ePublikationen, die Information ist da. Nur konsumieren muss man sie auch wollen.  Read More

#EP2014

Mal ehrlich, für die Europawahl im Mai bin ich denkbar schlecht gerüstet: ich hab keine Ahnung von Europa, also von diesem ökonomischen Friedensprojekt. Europäisches Parlament, Kommission, Rat, usw kann ich zwar als Organisationseinheiten erkennen, ihre Zusammensetzung, Zusammenspiel und Funktionen sind mir vollkommen unbekannt, nix, nada.

Im Mai wird „in Europa“ gewählt, und es ist mir zuwider, dass ich mich einerseits mit meiner Stimme einbringen will aber andererseits nichts davon verstehe. Für solche Situationen gibt’s nur ein Motto: Diese Sauerei muss eine andere werden!

Ich werd mir also Grundlagenwissen über den Apparat EU aneignen. Schließlich will ich danach ja mitschimpfen können, wenn es sich „die da oben wieder richten“. Illusionen hab ich keine, dass es nicht so wär, allerdings hab ich Lust drauf mehr zu wissen. Es gibt sogar erste Hinweise darauf, dass es in der EU und ihren Institutionen ein Stück weit transparenter zugeht als auf nationaler Ebene, und das ist doch schon was. Von heimischer Politik bin ich ohnehin desillusioniert.

Soweit es interessant erscheint, werd ich meine Eindrücke hier festhalten. Wissenschaft solltest du keine davon erwarten, eher eine naive Herangehensweise eines nicht ganz uninteressierten und halbwegs beweglich denkenden Mittelklässlers.

Ach, noch was: mein Interesse wird von keiner politischen Partei unterstützt oder aktiv beeinflusst. Alles unabhängig.

Herr Quargel spielt Wolf

So richtig geschmeckt hat es dem Christian Hofler ja nicht, dass der Zuschauerstrom für sein Theaterstück „Herr Quargel flötet Block“  naja, sagen wir „überschaubar“ war. Ich vermute, dass dies an der Kurzfristigkeit des Termins gelegen hat. Naturkatastrophen nehmen keine Rücksicht auf Freizeitplanungen, philippinische tun das schon gar nicht.

Herr Quargel flötet Block

Herr Quargel flötet Block

Aber wie schon in der Ankündigung erwähnt: der Herr Quargel zieht sein Ding durch. Ganz oder gar nicht. Angekratze Egos sind da kein Kriterium. Also hat er sich für ganz entschieden und sein gesamtes schauspielerisches Können auf die Bühne und den Kindern entgegen gewuchtet. Die haben das verzückt aufgenommen, vorlaut dazwischen gerufen und sich vor lachen zerkugelt. Dafür, dass Mausezahn sich besonders lautstark hervorgetan hat, dafür kann ich jetzt wirklich nichts. Das hat sich der Quargel schon selber zuzuschreiben: es hat den kleinen eben äußerst gut gefallen.  Ich selbst war froh, schon im Keller zu sein, da hatte ich es nicht so weit  zum lauthals Lachen. Um in der Fußballersprache zu bleiben: Es war ein Arbeitssieg. Und was für einer!

Ein wenig Zynismus sei mir hier erlaubt: wer nicht dabei war, ist selber schuld. Hab schon das eine oder andere Schul- und Kindertheater gesehen, aber der Herr Quargel ist schon sehr besonders. Wer die Möglichkeit dazu hat: un-be-dingt!

Nicht vergessen reicht nicht

Ich hab keine Ahnung von den Novemberpogromen 1938. Alles was ich darüber weiß, hörte ich im Geschichtsunterricht, las ich auf Wikipedia und sah ich in Filmen. Mehr ist es nicht. Ich weiß auch nichts über das Naziregime und den Zweiten Weltkrieg. Bücher hab ich gelesen und Dokumentationen gesehen. Mein Großvater war mein einziger lebender Kontakt in diese Zeit, der brach in Tränen aus, wenn ich mit ihm über den Krieg reden wollte. Das tatsächliche Ausmaß an Unmenschlichkeit kann ich nicht erfassen, ich bin schlicht und ergreifend zu jung dazu.  Aus der Sicht eines Betroffenen hab ich wohl genau keine Ahnung. Read More

Gelistet: Podcasts zum Thema Netzpolitik

IMG_0283Jetzt ist es also heraußen: die Welt bespitzelt sich auf jede erdenkliche Weise. Angezapft, gefiltert, abgehört, getäuscht, verwanzt, fotografiert und was weiß ich was noch alles.  Ja, die Welt. Wer meint, nur die bisher aufgedeckten (beweisbaren) Fälle der Spionage wären die einzigen, der muss sich Naivität vorwerfen lassen. Geheimdienste tun halt, wofür sie geschaffen wurden. Das ist kein Geheimnis und wer es bisher wissen wollte, der konnte es auch wissen, oder zumindest so viele Indizien anhäufen, dass eine Prise Hausverstand reichte um sich den Rest zusammen zu reimen. Read More

Bitch, Fuck, Cunt! Tourrette nervt.

Ja, Tourette nervt wirklich. Nicht nur die passiv betroffenen. Die Tourrette Syndrome Foundation of Canada betreibt Aktionismus auf Twitter, bei dem ich mich -und euch Follower- beteiligt habe. Es geht dabei um Auklärung / Awareness.

Wie die Aktion funktioniert: für 24 Stunden stelle ich der genannten Foundation meinen Account zur Verfügung. Sie dürfen Tweets in meinem Namen absetzen. Der Inhalt ist „inspired by people struggeling“ Tourrette Syndrome. Mein Account simuliert das Krankheitsbild und soll so Aufmerksamkeit generieren.

Menschen, die an dem Syndrom leiden (ich formulier das jetzt mal mit meinen Worten), haben gewisse Tics. Oftmals vokale: das heißt, es purzeln kaum beeinflussbare Braindumps aus dem Mündern der betroffenen. Das kann alles Mögliche sein, sehr oft vulgär oder verletzend. Dass das nicht angenehm ist, liegt auf der Hand. Ich mein, ich kann das abschalten (bzw. nach 24 Stunden ist der Spuk vorbei). Betoffene können das zumeist nicht oder nur sehr, sehr schwer.

Was mich im Laufe dieser Aktion am Meisten überrascht: es ist äußerst unangenehm für mich. Weil ich die Menschen, die meine Tweets lesen nerve. Manche sagen mir das auch, die meisten ignorieren es zähneknirschend. Ich weiß es  zu schätzen.

Heute steht mir ein wichtiges Gespräch ins Haus. Sehr wichtig. Ich hätte in diesem Gespräch sehr schlechte Karten, würde ich solche Tics tatsächlich haben. In welche Position bringt man sich, wenn man sein Gegenüber gleich zu Gesprächsbeginn (bei Nervosität sind die Symtome ausgeprägter), als „Arschloch, Ficker“ bezeichnet?

Nächste Woche 2 Tage Schulung. Die Teilnehmer würden sich sehr freuen, würde ich sie stündlich als <Schimpfwort goes here> bezeichnen. Nein, das ist nicht lustig gemeint.  Was ich damit sagen will: das Tourette-Syndrom ist nicht einfach zu ertragen. Es beeinträchtig im täglichen Leben und auch im Beruf. Es verschlechtert die Karrierechancen erheblich. Zumindest stell ich mir das so vor.

So, wenn ihr bis jetzt gelesen habt und den Spuk in meiner Timeline noch bis 23:59 aushaltet, dann bin ich echt stolz auf euch und verspreche, in den nächsten Wochen von Aktionismus wieder abzusehen. Zähneknirschend.