Das Kind

Das Kind darf nicht vom rosaroten Löffelchen essen, es könnte der Homosexualität anheim fallen. Das andere Kind darf keine rosa Spielsachen oder Kleidungsstücke benützen, es könnte „zur Zicke“ werden. Wenn das Kind schläft, muss ringsum alles ruhig sein. Das Kind darf auch in der Sandkiste nicht um’s Schauferl streiten, leider auch nicht am Klettergerüst sein Leben riskieren. Das Kind darf impulsiv über die Strasse laufen, weil man es nicht mit Verboten einengen möchte.

All das hab ich selbst erlebt, nicht bei einem einzigen Kind, sondern auf mehrere verteilt. Es beschreibt aber ganz gut, was mich auf die Palme bringt. Menschen, die vollkommen unauffällig im Sozialverhalten sind, bis eine kleine Prinzessin oder ein kleiner Prinz das Licht der Welt erblickt. Dann mutieren viele dieser Menschen zu Partialidioten.

Goldener Käfig

Das Kind wird freigespielt, jeglicher Unbill dieser Welt wird großräumig abgeblockt, versteckt und negiert. Grenzen sollen möglichst hinter dem Horizont vermutet werden, wenn überhaupt. Diese Königskinder wachsen in einer Parallelwelt auf, keine Hindernisse, kein Verzicht, keine Verletzungen, alles easy. Schließlich soll es den besten Start ins Leben und dann alle Chancen dieser Welt haben. Das Kind ist König. Im goldenen Käfig.

Gründe

Warum das so ist? Ich vermute, dass die eine oder andere Neurose der Eltern erst durch das Königskind wach geküsst wird. Dann muss das Kind als Projektionsfläche herhalten und wird gerne vorgeschoben. Jegliche Geräuschentwicklung, die den Schlaf beeinträchtigen könnte, wird unterbunden: du weißt, das Kind.

Kinder wachsen in einem Paradies auf. Sie werden von Eltern umsorgt, haben ein Dach über dem Kopf und genug zu essen. Sie wachsen aber auch in einer Welt auf, in der sie sich selbst behaupten können müssen. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Kinder müssen auch auf den Unbill dieser Welt vorbereitet werden. Es wird nicht alles eitle Wonne sein und bis dahin werden sie froh sein,  mit Werkzeug zur Bewältigung ausgestattet zu sein. Also, liebe Helikopters, lasst eure Kinder Verzicht lernen, lasst es spüren, dass ein Klettergerüst weh tun kann und gebt ihm die Chance schwul zu sein. Dem Prinz zuliebe.

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