Eh

Ich geh schnell zum Billa einkaufen. Frühstück?   Holger druckst herum. Ja bitte, ein Semmerl mit Käse. Er übelegt kurz: Nein, Thunfischaufstrich. Seine Augen leuchten kurz auf, schiebt ein schüchternes wenn das geht? hinterher. Sicher geht das.  Trinken magst nichts? Doch. Holger überlegt, wie er es sagen soll: ein Dreh und Drink wär a Waunsinn.

Wir sind mittlerweile eingespielt wenn es ums Frühstück geht. Und das, obwohl Holger nicht bei mir zu Hause wohnt. Holger wohnt auf der Straße und verkauft dort die Obdachlosenzeitung Augustin. Dann und wann mach ich auf dem Weg zur Arbeit einen kleinen Umweg um mit ihm zu plaudern. Er erzählt von seinen Sorgen und Nöten, von seiner chronischen Krankheit, die seine Sorgenfalten tiefer werden lässt, wenn er an den Winter denkt.

Wenn ich von Holger erzähle, muss ich dem Drang widerstehen Partei für ihn zu ergreifen. Zu rechtfertigen, dass seine chronische Krankheit eh nicht HIV oder Hepatitis ist. Dass er die Wohnung eh schuldlos verloren hat. Mit einem Wort, dass er eh ein Opfer ist. Dann müsste ich aber auch dagegenhalten, dass er in seinem Leben schon Projekte auf die Beine gestellt hat, die mir massig Respekt abnötigen, also eh was geleistet hat. Tu ich nicht. Weil es nicht von Bedeutung ist. Holger hat Hunger und steht mit leerem Bauch auf der Straße. Bedingungen für Hilfe hielte ich für vollkommen unangebracht.

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