Einfach weg
Die Hitzewelle rollt über uns hinweg. Manfred hat sie mitgerissen. Die Niere meines Katers war seit zwei Jahren chronisch unterversorgt. Die tagelange Hitze hat ihr den Garaus gemacht. Sein Vergehen war nicht zu übersehen. Jeden Tag ein wenig mehr. Dann gar nicht mehr.
So viel kluge Tipps hab ich gelesen, um uns der Hitze im Sozialbau zu erwehren. Stoßlüften, beschatten und warme Getränke. Wenn es in der Wohnung dann doch zu heiß wäre, liegt das vermutlich an mir. Tipps gäb es genug.
Ich hab getan, was ich konnte. Kältematten, Wasserkübel, Hoffen, Bangen. Ihm schlußendlich das Ende etwas erleichtert. Gerettet, was noch zu retten war: ein würdevolles Sterben.
40 Grad ist dann halt zu viel für Wohnungen in unseren Breitengraden. Wir hätten das verhindern müssen. Wir, die wir Verantwortung an unsere Volksvertreter weitergegeben haben. Um einen größeren Hebel im Kampf gegen den Klimawandel zu haben. Wir haben die Verantwortung vergeben, vergeblich. An die, die uns was von von Klimastadt, Wienerwaldperle und Naturwunder Purkersdorf von den Plakaten heruntergeschwärmt haben. Bis zur Urne. Zur Wahlurne. Danach war von zielstrebiger Klimapolitik nichts mehr zu sehen. Was doch an Maßnahmen und Umsetzungen zustande gekommen ist, gibt es, weil sie von der Stadtregierung nicht zu verhindern waren. Nicht aus Mut oder gar Überzeugung.
Jetzt tritt der Obervolksvertreter in Purkersdorf zurück. So mir nix, dir nix. Weil es dann doch mehr Arbeit war, als er sich das vorgestellt hat. Weil Familie und so. Jetzt hört er halt auf. Soll sich wer anderer kümmern. Verantwortung übernehmen. Endlich mal Verantwortung.
Zurück bleibt verlorene Zeit. Um dem Klimawandel entgegenzutreten. Um eine Stadt anzupassen. Politik für Menschen zu machen. Um etwas zu tun.
Wenn ihr das nicht tut, leiden Mensch und Tier. Manche sterben. Heute, morgen. Es werden mehr, es sind schon mehr. Wie übernimmt man da Verantwortung. Wie geht das?
