Murakami: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki

Bis zum Heiraten ist es wieder gut! Das seelische Trostpflaster für das Kinderaua zwischendurch. Gleichzeitig die kleine Schwester von Die Zeit heilt alle Wunden, dem Mantra der Verdränger. Dabei ist die Aussage so grundfalsch. Zumindest sehe ich das so. Murakami sieht das auch so und bringt das in seinem aktuellen Buch „Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“ zum Ausdruck. Mein Buchhändler (und seine Frau) haben es für mich ausgesucht und meine Frau hat es mir geschenkt. Die Welt ist gut zu mir.

Inhalt

Haruki Murakami, Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki

Haruki Murakami, Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki

Zu Takuru Tazaki ist sie nicht ganz so nett, die Welt. Sein Leben sieht er am Abgrund, seine Situation trostlos. Grund ist die unverstandene Verbannung aus einem Freundschaftsgespann während seiner Jugend. Tazaki -mittlerweile erwachsen- hat keine Ahnung über die Gründe, er droht an diesem Trauma zu zerbrechen. Bis er auf Menschen trifft, die ihm helfen, sich selbst zu helfen.

Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki ist eine geschilderte Selbsterfahrung, eine Liebesgeschichte, ein Märchen. Themen sind Heimweh, Einkehr und Aufbruch. Der Schmetterling am Cover ist kein bunter Zufall.

Form

Die Leichtigkeit des Stils überrascht mich, der Mut zur Lücke, die Konstruktion, die Andeutungen und zauberhaft gestalteten Sinnbilder beeindrucken mich. Einer der wenigen Momente im Leben, in denen ich es bedauere, nicht japanisch zu können, um der Übersetzungsunschärfe entgehen zu können. Ich glaube aber, dass Ursula Gräfe ganze Arbeit geleistet hat.

Soundtrack

Das Buch hat einen Soundtrack: Die Suiten Années de Pèlerinage von Franz Liszt. Immer wieder finden sich im Buch Referenzen darauf. Die Stimmung der Klavierkonzerte passt ausgezeichnet zum Gefühl während der Lektüre. Die weltweite Nachfrage nach dem Werk ist groß genug um eine Nachpressung zu erwirken.

Was bleibt

Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki ist nicht Murakamis aufregendstes Buch. Es wird mir aber lang in Erinnerung bleiben. Was das Buch ausmacht: Oberflächliche Leichtigkeit, die Potential hat, etwas tiefer zu schürfen. Wenn man sich nicht darauf versteift, dass die Zeit eh alles heilt.

eine Reise, Murakami

eine Reise, Murakami

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