Ruhetag

Tag zwei empfängt mich mit einem veritablen Laktatüberhang und Sonnenschein. Für Tag drei ist mittlerweile die Königsetappe geplant, rauf auf den Hochschwab himself. Keiner von uns wollte wieder heimfahren und gestehen müssen, nicht oben gewesen zu sein. Die beiden Planer sagen eine Wegzeit von ungefähr zwölf Stunden voraus, quasi Leistungslimit.

Deshalb und weil wir noch die blaue Route offen haben, fällt die Wahl für heute auf die Bürgeralm, den Aflenzer Hausberg. Babysch, dachten wir, weil blau.

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Auf dem Weg hinauf treffen wir auf einen alten Mann, der mit der Sense zu Gange ist. Ob wir aus dem Heim wären, will er wissen. Um zu verstehen, was er damit meint, muss man sich ein wenig im Aflenzer Kaffeehaus umsehen: Dort zwinkern sich überbeleibte Menschen in geduckter Haltung zu, wie es Undercoveragenten im Kalten Krieg am Checkpoint Charly taten. Nur geht es diesmal um verdeckte Kalorienaufnahme. Aflenz ist ein Kurort, Spezialfach aus-den-Fugen-geratener-Metabolismus.

Der Weg aufwärts ist eigentlich recht gemächlich. Ich hab mich dran gewöhnt, dass Wanderwege die direkte Verbindung zweier Punkte sind, die nur widerwillig Serpentinen ausbilden. Nur und ausschließlich dann, wenn sich ihm ein massiver Fels in den Weg legt.

So lassen wir die Mautstraße unter uns und steigen auf. Am Plateau angekommen macht sich Enttäuschung breit. Das Skigebiet liegt noch im Dornröschenschlaf und macht keine Anstalten für ein paar Wanderer und traumhaftes Wetter diesen zu unterbrechen. Jause vertagt.

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So widmen wir uns den Highlights: ein sogenannter Skywalk, Aussicht auf viel Gegend und eine Paragleiterstartrampe. Auf den Gipfel verzichten wir, der Weg über eine Skipiste ist nicht sooooo prickelnd. Abgesehen davon wollten wir den Oberschenkeln etwas Ruhe vor dem morgigen Sturm gönnen. Also abwärts.

Den hiesigen Koch im hiesigen Hotel haben wir gerade verpasst. Aber die Kellnerin hat sowas im Urin, das sie vermuten lässt, dass das Gasthaus am Ende der Ortschaft noch offen haben könnte. Wir müssten nur über die Kreuzung drübaschiaßn. Ich geb’s zu, das Raubein hat Eindruck bei mir hinterlassen. Nicht nur, weil sie Recht hatte mit ihrer Vermutung.

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Christian ist Groundhopper. Kein Spiel im Umkreis von drei Autostunden entgeht ihm. Also auf nach Frohnleiten zur Abendgestaltung. Der hiesige S.C. empfängt Leoben. Es geht dabei sportlich um nichts mehr, der Abstieg ist besiegelt. Näixte Saison kemma zu den Geigna zFuaß gei, weiß ein Schlachtenbummler nicht, ob er sich darüber freuen oder ärgern soll. Für uns geht es um einen wunderprächtigen Abend bei einem sehr unterhaltsamen Sommerkick. Netter Platz und sportlicher Ehrgeiz auf den Rängen, dem wir uns mit Schnitzelsemmeln, Bier und billigen Witzen fügen. Besser geht’s nicht.

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