Rund um Wien: Etappen 2 bis 5

[aesop_timeline_stop num=“Etappe 2″ title=“Vom Cobenzl zum Häuserl am Roan“]

Die Buslinie 38A hat uns auf das Cobenzl gebracht. Es schifft unaufhörlich. Das wussten wir schon am Vortag, aber das Motto war bei Schönwetter kann ja jeder und mir san jo ned aus Zucker. Aus Teflon aber auch nicht. Christian zieht mit dem Selbstverständnis eines Weitwanderers den Wetterfleck über. Ich halte mich prinzipiell für zu cool für solch einen modischen Fehltritt in Plastik, mit Heldenstatus lässt sich das nicht vereinbaren. Aber Christian macht es mir vor: Schönheit muss leiden. Na gut, also leiden wir halt: Wetterfleck überstülpen. Meine Frau hat ihn mir vor Mariazell wohlwollend in den Rucksack gesteckt. Dass ich Rucksäcke prinzipiell nie leerräume macht sich jetzt bezahlt. Los geht’s auf die ersten paar Kilometer. Geplant sind zwei Etappen, danach Essen, dann Fußball in Hütteldorf.

Arbeiter in Pause

Arbeiter in Pause

Der Weg ist unspektakulär weil waschlnass.  Wir haben Unmengen an Tratsch auszutauschen, der Weg ist beiläufiges Nebenwerk. Wald, Aussicht, Blätter, Steine und -öha!- ein Retro-LKW, der sein Wochenende am Wanderweg  verbringt, ab Montag wird er wieder Bäume schleppen müssen.

Wir kreuzen Etappe 1 bei der Kreuzeiche und marschieren stramm Richtung Jägerwiese. Den Abstecher zum Agnesbrünl ersparen wir uns. Ich war im Sommer dort und wär ich nicht zu faul gewesen, ich könnte jetzt auf einen Blogpost verweisen. Kann ich eben nicht.  Also entlang der Wien-Niederösterreichischen Grenze deute ich nach rechts: „do unten warad es Agnesbrünl“. Ich muss endlich den Blogpost machen.

Vorbei an der Hubertuswarte, dem topologischen Höhepunkt der Etappe. Auch da wär ich schon gewesen habe aber nicht darüber gebloggt. Vermutlich hab ich das schon erwähnt. Mittlerweile hat der Wettergott ein Erbarmen mit uns und wir bleiben auch auf Lichtungen trocken. Der Wind ist stark böeig. Nach der Hubertuswarte Abstieg zum Griaß di a Gott-Wirt. Dort wieder Aufstieg zum Häuserl am Roan am Dreimarkstein. Auch das Häuserl am Stoa wäre in Reichweite gewesen. Wer in Wien tschechern will, muss hart um Ausreden ringen, wenn er es nicht tut.

 

[aesop_chapter title=“Etappe 3″ subtitle=“Vom Häuserl am Roan zur Marswiese“ bgtype=“img“ full=“on“ img=“https://www.kramure.at/blog/wp-content/uploads/2017/03/DSC00046.jpg“ bgcolor=“#888888″ revealfx=“inplace“]

 

 

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Pause aufgeschoben, wir gehen in Richtung Hameau. Dabei kann ich endlich mit meinem angelesenen Buchwissen das Gescheitloch raushängen lassen. Das Hameau, wie es sich jetzt präsentiert, ist ein einsames Überbleibsel aus einer belebten Zeit. War hier früher ein holländisches Bauerndorf angesiedelt, ist das Plateau heute unbewohnt, alle Gebäude sind entfernt. Abgsehen von einem einstöckigen Unterstand. Was tun holländische Bauern im Wienerwald? Der Herr Lacy (ein irischer Graf) hat sich eine größere Liegenschaft in Neuwaldegg recht günstig bei der Frau Maria Theresia erstanden und dann nach englischem Vorbild umgestaltet. Günstig deshalb, weil er mit einem Sohn von Frau Theresia gut befreundet (zwinkerzwinker) war. Sagt man. Also man sagt sogar, dass es Belege dafür gibt. Sei’s drum.  Das Hameau war eben Teil der Liegenschaft. Und weil er sich gern mit der Kutsche zum guten-alten-Bauernleben bringen lassen wollte um dort die gute-alte-Bauernzeit zu leben, hat er ein Bauerndorf anlegen lassen. Wild interpretiert behaupte ich, dass Graf Lacy nichts anderes als ein Bobo des 18. Jahrhunderts war. So.

Ares Ludovisi bei der Marswiese

Ares Ludovisi bei der Marswiese

Bis in die 1960er-Jahre befand sich ein Gasthaus am Hameau. Teschechern geht immer. Heute wirkt die Schutzhütte wie ein Setting aus dem Blair-Witch-Project. Abstieg zum Schwarzenbergpark, erstmals wieder Asphalt. Dann bald Marswiese. Die übrigens -Achtung Gscheitloch- heißt so, weil da ein Denkmal des Kriegsgotts Ares herumsteht. Es nennt sich „Ares Ludovisi“. Ares, Mars … na eben.

Da wären wir dann beim geplanten Ende des Tagespensums. Es ist aber noch viel zu früh, wir nicht durchnässt und auch nicht hungrig, also gehen wir weiter. Der Plan, Hütteldorf zu Fuß zu erreichen, nimmt Formen an.

[aesop_chapter title=“Etappe 4″ subtitle=“Von der Marswiese zum Steinhof“ bgtype=“img“ full=“on“ img=“https://www.kramure.at/blog/wp-content/uploads/2017/03/DSC00103.jpg“ bgcolor=“#888888″ revealfx=“off“]

 

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Etappe vier steht unter dem Motto „Much Gatsch!“. Es ist wirklich nicht schön. Die Schönheit und Eleganz des Wegs rauf zum Schottenhof ist überschaubar. Auf dem Weg zur Jubiläumswarte queren wir die Kreuzeichenwiese, hier ist es besonders stürmisch. Das Ächzen der Bäume lässt mich an meiner geistigen Integrität zweifeln. Den Gallitzinberg -im Volksmund auch Wilheminenberg genannt- haben wir für ca 30 Minuten im Blick, bevor sich auf der Vogeltennwiese die Jubiläumswarte vor uns aufbaut. Nicht schön. Ein Eisentürmchen, das an einen rachitischen Phallus erinnert. Ursprünglich stand die im Prater und wurde mangels Verwendungswille von dort auf den Gallitzinberg verbracht. Der Aufzug hat es nicht mit geschafft, so muss man heute zu Fuß rauf.

Zuvor befand sich eine Holzvariante an dieser Stelle, die zu Ehren des 50-jährigen Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Joseph errichtet und vom christlichsozialen Bürgermeister Lueger eingeweiht wurde. Diesen Tag wird er sich wohl lange gemerkt haben, weil zur Einweihung eine Arbeiterschaft angerückt war, die dem Bürgermeister nicht wohl gesinnt war. Daraufhin wurde die Feier unter Polizeischutz in ein Gasthaus verlegt. Obendrein stürzte die Holzwarte ein Jahr später ein.

Die neue Version aus Eisen steht auf historischem Untergrund: während des Zweiten Weltkriegs war der Gallitzinberg Zentrale der Flakabwehr Wiens, die in einem Bunker untergebracht war. Der Eingang ist mittlerweile zugesprengt, um nicht länger als Ort des Totentanzes für Geschichtstrottln zu fungieren.

Der Wienerwald ist ein Ort, der Geschichte atmet. Das war mir nicht bewusst. Skisprungschanzen, Bombentrichter, Bunker, Zahnradbahn und sogar eine Bobbahn verstecken sich quasi „in plain sight“. Man muss nur hinsehen. Die angesprochene Bobbahn haben wir auch benutzt. Zu Fuß und unwissentlich. Von ihr hab ich erst nach der Wanderung gelesen. Verrückt.

Bei der Feuerwache am Steinhof angekommen wird der Plan, Hütteldorf zu Fuß zu erreichen, Realiät. Wir gönnen uns noch eine Etappe.

[aesop_chapter title=“Etappe 5″ subtitle=“Vom Steinhof nach Hütteldorf“ bgtype=“img“ full=“on“ img=“https://www.kramure.at/blog/wp-content/uploads/2017/03/DSC00129.jpg“ bgcolor=“#888888″ revealfx=“off“]

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Langsam macht sich Verschleiß bemerkbar, meine Beine werden müde, ich habe keinen Bock mehr auf Fotografieren. Die letzte Etappe sollte ein Opfer sein, das wir am Altar des Fußballgottes darbringen um drei Punkte für unsere grün-weißen Propheten zu erbitten. Wir haben uns bemüht, ehrlich. Es ging zwar nur bergab, aber wir haben uns nicht von umgestürzten Bäumen, übermenschlichen Sturmböen, einsetzendem Regen, nicht-und-nicht-auffindbaren Geocaches und sonstigem Unbill davon abhalten lassen, mit großem Pomp und Trara an der neuen Spielstätte in der Keißlergasse all unser Bitten und Flehen in den Staub hinzuwerfen, auf die Knie zu fallen, die Arme gen Himmel zu strecken und mit dem jämmerlichen Rest an Kraft in der Stimme zu greinen: „Schenk uns diese drei Punkte!“

Es wurde nur ein Unentschieden. Nicht auszudenken, wir wären nur die geplanten zwei Etappen gegangen.

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3 Replies to “Rund um Wien: Etappen 2 bis 5”

  1. Sehr cooler Text – congrats!

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    1. Danke dir 🙂

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  2. Sehr lehrreich! Was echte Wienerinnen da noch erfahren können 🙂

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