Schauspiel

Eine beschauliche Kleinstadt im Speckgürtel Wiens ist Schauplatz einer Posse. Dem niedlichen Städtchen wird die Beherbergung eines Asylheimes zugemutet. Die Aufregung ist groß, weil dem sabbernden Geiferern zufolge die religiöse Okkupation der Kleinbürgerlichkeit damit besiegelt sei.

Dann passiert wirklich etwas: ein Jugendlicher stürzt aus einem Fenster besagter Einrichtung acht Meter in die Tiefe. Tragisch genug, weil multiple Knochenbrüche, Blaulichtgroßeinsatz sowieso. Ein Einsatzmitglied findet das alles furchtbar, die Tragödie ist endlich eingetroffen. In seiner Doppelfunktion als Gemeinderat erklärt er noch am selben Abend pflichtbewusst seinen potentiellen Wählern detailreich, dass alles ganz furchtbar wäre:  Mord und Totschlag. Es war ja zu erwarten!

Auch der Bürgermeister erzürnt sich Tags darauf medienwirksam. Was denn noch alles passieren müsse, fragt er sich auf pflichtbewusst auf so manchem Titelblatt. Das Heim müsse weg, weil „Mord“ ginge ja wirklich zu weit.

Dann untersucht die Staatsanwaltschaft und veranstaltet einen Lokalaugenschein. Ergebnis: die Mordvariante lässt sich aufgrund widersprüchlicher Aussagen der Exekutive gegenüber nicht aufrecht erhalten. Einzig ein Tatzeuge macht eine Version glaubhaft: der gestürzte hatte die Hosen voll und wollte durch das Fenster flüchten. Die beschuldigten werden aus der U-Haft entlassen.

Einerseits tragisch genug, dass es zu solchen Situationen kommt. Die Hitzigkeit andererseits, mit der die öffentliche Diskussion angefeuert wird, schockiert mich ebenso. Menschen, die gewählt wurden, um Verantwortung zu übernehmen, gießen aufgrund substanzloser Vorwürfe Öl ins Feuer.

Besonnenheit statt Mutlosigkeit, wär mal was. Oder eine Entschuldigung.

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