Von Lackenhof nach Mariazell

Der Blick geht schon voraus ich bleibe zurück. In perfekter Adjustierung starre ich durch den Ötscher zum Ziel der Reise, die Basilika in Mariazell. Fokus auf den wolkenverhüllten Gipfel, da oben schneit es bestimmt. Der Blick wandert bergab zu einem Bergsattel, dort regnet’s nur. Noch bin ich trocken, noch steh ich ungläubig am Fenster.

Es nutzt ja nix. Ich sammle mich und meine Vorfreude auf die Ankunft zu einem Hau-Ruck vor der Unterkunft. Gemma!

Die quietschbunte Karavane schraubt sich eine schwarze Piste den Berg hinauf. Je nach Kraftreserven sind die Serpentinen mal ausladender mal weniger. Auf dem Sattel ist es grausig windig, kalt und regnerisch, es geht bergab. Blödeln setzt ein.

Der gemütliche Teil führt uns durch die Ötschergräben. Obacht, es ist glitschig, Sturm haut uns Regen um die Ohren. Die Gräben werden enger, die angebotenen Handseile kommen mir sehr gelegen. Nächster Motivationspunkt ist die Jausenstation Ötscherhias. Unsere elektronischen Gerätschaften sagen voraus, er habe heute geöffnet. Was gut ist, weil unsere Vorräte zu Ende gehen. Wie weit es bist zum Ötscherhias tatsächlich noch ist, darüber herrscht vage Uneinigkeit zwischen den modernen Gerätschaften. Eh egal, weil erstens liegt er eh am Weg und zweitens nutzt’s ja eh nix. Das Wissen um die Weite verkürzt sie nicht.

Ausgemergelte Ankunft beim Ötscherhias. Der is a Trottl, denk ich mir. Weil der hat heute keinen Betrieb, obwohl die Gerätschaften das einhellig behaupten. Wir kratzen unsere Reserven zusammen um dem Hunger ein Schnippchen zu schlagen. Gemeinsam gesättigt machen wir uns auf den Weg, wieder bergauf, raus aus den Ötschergräben, das Finale erwartet uns.

Es ist nicht mein bester Tag, was Stimmung und Wehleidigkeit angeht aber ja, es nutzt ja nix. Mitterbach, Weißenbach, St. Sebastian, Einflugschneise nach Mariazell.

IMG_20171008_140725_HDR.jpg
IMG_20171008_140725_HDR.jpg

Stimmung und Blasen heben sich, ich grinse in mich hinein, hinter der nächsten Kurve die Spitze der Basilika, nein doch hinter der nächsten oder der übernächsten. Schließlich behalte hab ich Recht: wir sind da!

Zufriedenheit strahlt alle Mühsal weg. Ankommen und da sein, mehr ist es nicht, im Moment ist es alles.

Die letzte Einkehr im Goldenen Löwen am Hauptplatz wird in stiller Übereinkunft zur Tradition ausgerufen. Familienmitglieder treffen ein, ein großes Hallo! Nasse Kleidung am Klo wechseln, sich wieder für Körpergeruch genieren, ins Auto steigen und mit ungewohnter Geschwindigkeit zurück in den Alltag.  Beim Abschied ist eines fix: wir kommen wieder. Nutzt ja nix 🙂

IMG_20171008_150702.jpg
[ssba]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.