Von Steyr nach Maria Neustift

„Do muaßt scho auf‘s Liacht aufpassen“, belehrt mich der ältere Herr mit Hut und zeigt über meine Schulter hinweg auf die rote Fußgängerampel. Er hat mich erwischt, das Warten auf einer Kreuzung ohne Verkehr war mir zu öd. Den Scherz erwidere ich gern: „I? Nana, des tät i nie“. Seine erzürnte Antwort soll das Motto der Wanderung werden: „Do muaßt di scho hoidn!“ Nach der grimmigen Verkäuferin mit Besen und einer Baustelle, die Irrwege verursacht, will mir Steyr anscheinend die Laune verderben. Keine Chance, ich komme mit Freunden.

Losmarschiert sind wir die 2017er-Ausgabe der Mariazellerwanderung in Florian (Einheimischen verzichten auf das vorangestellte „St.“ und so will ich das auch tun, um nicht noch mehr Aufruhr im Oberösterreichischen zu erwirken). Von ebendort ging es flach dahin bis eben Steyr. Dazwischen haben sich Äcker, verstreute Vierkanter und Wälder zu einer Landschaft geformt, die ihre gesamte Schönheit nur aus der Vogelperspektive preisgibt. Wir sind aber ja nicht wegen der Schönheit hier, sondern weil… ja, das ist die Frage, auf die jeder, der in unserer Gruppe unterwegs ist, eine individuelle Antwort hat. Ich kenne sie nicht.

Auch auf die Frage, ob die nicht bezahlten Suppen am Mittagstisch uns oder dem Wirt zur Last gelegt werden müssten,  gibt es manigfaltige Antworten. Der eine oder andere ist womöglich eh unterwegs um ein Sündenhäufchen abzutragen. Der hat dann stillschweigend die Lässlichkeit mit den Suppen mit nach Mariazell genommen. Als Gruppe und bergab sind wir stark!

Also, die ersten 30 Kilometer haben wir in den Beinen und kehren vorerst nach Wien zurück. Ein Prolog aus wie aus dem Lehrbuch.

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Donnerstags drauf wieder Anreise mit dem Zug nach Steyr, jetzt zählt es wirklich: Abmarsch! Nach anfänglicher Verwirrung geht es steil bergauf zum ersten Schnoppa in Richtung Maria Neustift. Das Hinweisschild zum Physiotherapeuten winke ich als reinen Zufall ab. Ich sollte Recht behalten. Wir sind noch frisch, trippeln die ersten Höhenmeter fröhlich weg und nehmen sogar einen Gipfel mit, der gar nicht nötig wäre.

Es geht wellig auf Bergrücken dahin, vorbei an Windrädern (boah sind die laut!), Kühen und Marterln. Kurz vor Etappenende präsentiert sich Maria Neustift auf einer Anhöhe majestätisch im Sonnenschein. Die Küche in der Unterkunft Pfaffenlehen liegt bereits im Dornröschenschlaf, auch die gesamte Gastwirtschaft in Maria Neustift will nichts von uns wissen. Womöglich eilt uns ein Ruf als hinterhältige Suppendiebe voraus.

Daher schlagen wir uns die Bäuche in der letzten Rast, die gleichzeitig die erste Gastwirtschaft des Tages ist, voll und wutzeln uns die letzten Kilometer abwärts in die Unterkunft und in die Betten. Hach, es geht uns gut.

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