Rollenverteilung

Der Innenminister tritt vor die Kameras und spricht von seiner Vision Menschen in Lagern zu „konzentrieren“. Der mediale Aufschrei lässt nicht auf sich warten. So hölzern er den Terminus ansteuert, so wenig Zweifel hab ich an seiner Absicht der Verwendung.

Einen Tag später hilft der Vizekanzler im Tiroler Wahlkampf aus. Er inszeniert sich in einem Szenario, das unweigerlich an finstere Zeiten unserer Geschichte erinnert. Natürlich alles Zufall und irgendeine Band hatte auch schon mal schwarz vermummte Trommler in Verwendung. Auch hier: der blaue Vizekanzler hölzern in der Inszenierung, keine stolze Brust, kein erhobenes Haupt. Stattdessen nervöses Herumzupfen am engen Sakko mit gesengtem Blick. Vielleicht schämt er sich sogar ein wenig für das Theater.

Dieses scheinbar unschuldige Spiel mit faschistischen Fantasien ist nicht neu. Als Opposition ist das zwar geschmacklos aber passt ins Bild einer Partei, die sich am äußerst rechten Rand des politischen Spektrums befindet. In staatstragender Funktion sieht das ganz anders aus. Es wirkt massiv deplaciert und unbeholfen.

Warum macht die FPÖ das? Weil die ÖVP alles richtig macht. Nicht aus der Sicht meiner moralischen Welt, aber aus der Sicht gewiefter Strategen. Wieder einmal lässt man den kleineren Koalitionspartner die Drecksarbeit machen. Der Haushalt soll über Kürzungen im Sozialbereich finanziert werden. Die Wähler der Liste Kurz nehmen das gelassen hin, sie haben typischerweise genau das erwartet und gewollt. Bei der blauen Wählerschaft sieht das schon wieder anders aus. Die beginnt gerade aufzuwachen und zu erkennen, dass die Vorhaben ihrer ideologischen Idole sich zwar gegen die schwächeren der Gesellschaft richten, sie aber dummerweise zu dieser Gruppe gehören könnten. Nervöses Murmeln.

Unruhe in der eigenen Klientel braucht man gar nicht.  Es braucht vielmehr einen Themenwechsel im öffentlichen Diskurs. Also zurück zu bewährten Mitteln: codierte Sager, die natürlich gar nicht so gemeint sind. Kritik wird barsch zurückgewiesen, man weiß von nichts, und Opfer sowieso.  Mediale Dresche ist einkalkuliert und gewünscht, sie zieht jeglichen Diskurs auf sich und lässt Kürzungen unauffällig von der öffentlichen Bühne trapsen.

Gegen die blauen Krawallmacher wirkt Liste Kurz geradezu gemäßigt. Vermutlich läuft es für die türkise Partei wie geplant. Genüssliches Händereiben passiert noch unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Nur bei gemeinsamen Pressekonferenzen hängt Kurz mit angehaltenem Atem an den Lippen von Strache und denkt nur einen Gedanken: „Mach dich zum Horst, gerne. Aber bitte, bitte, bitte nicht, wenn ich gemeinsam mit dir im Bild bin“.

Sie machen schon wieder alles richtig.