Kampwärts #mz19

Kamp kommt von „krumm“, etymologisch. Meint, der Fluss schlängelt sich gemächlich durch die Landschaft, gräbt sich da und dort ein und sucht sein Glück in der Biegung. Eilig hat er es dabei nicht. Das hat uns angesteckt zu dritt gemächlich flussaufwärts zu spazieren. Da und dort haben wir uns aus den Augen verloren, der Kamp und wir. Über sanfte Hügel, bewaldet, schlummernd. Immer schön in der Deckung der Flusstales, nur am Ende stecken wir die Köpfe raus auf den Nebelstein.

Menschen haben wir sporadisch getroffen. In der Gegend leistet man sich den Luxus jede Begegnung mit einer Handbewegung und Kopfnicken zu würdigen. So viel kommt da über den Tag gesehen nicht zusammen. Praktisch gesehen fast nur am Abend in der Unterkunft.

Dazwischen ist Grün, Geborgenheit und ein wenig Schweiß. Manchmal Regen. Oder Badelandschaft. Granitbrocken, die in geologischer Zeitlupe aus dem Boden wachsen. Traktorfahrer, die in ihren Vorurteilen gefangen, mit nicht-autochtonen Deppen-Deutsch sprechen und kläglich scheitern. Trotzdem nett. Sogar der Timischl-Verschnitt mit ACDC-T-Shirt zischt ein „Schen, dass do woat’s“ zum Abschied durch die Zähne. Ich glaub ihm kein Wort, aber dass er mit sich ringt, es so zu meinen. Hochachtung. Das Waldviertel ist gut zu haben. Ich mag’s.

Danke Buama.

Rana hat einen chronistisch ausgeprägten Blick auf die Wanderung. Dringende Empfehlung. Den Beitrag von Georg hab ich noch nicht gefunden. Aber das liegt bestimmt an meiner schlamperten Suche.

Ähnliche Beiträge

  • Halt

    Die Zellen werden weniger, Holger gelingt es nicht so richtig, seine Freude darüber auszudrücken, aber sie verschwinden nicht. Er hat noch vier Wochen Chemo vor sich. Gerade als er eine Mietwohnung bezieht um seinem Leben etwas Stabilität zu geben, trifft den Augustinverkäufer die Diagnose Krebs. Während er über seine Situation erzählt, wirkt sein Blick unstet….

  • |

    Eiernockerl

    Jetzt ist schon wieder was passiert. Wobei das nur stimmt, wenn du das innert 12 Stunden liest. Weil danach wird bereits eine neue Erregung am digitalen Hauptplatz im Quadrat hupfen. Aber jetzt halt Hitler und seine Liebllingsspeise Eierspeisnockerl.  (Witze in Verbindung mit Hitlers möglichen Monorchie kann sich jetzt jeder selber denken) Aber zurück zum Thema,…

  • Nicht vergessen reicht nicht

    Ich hab keine Ahnung von den Novemberpogromen 1938. Alles was ich darüber weiß, hörte ich im Geschichtsunterricht, las ich auf Wikipedia und sah ich in Filmen. Mehr ist es nicht. Ich weiß auch nichts über das Naziregime und den Zweiten Weltkrieg. Bücher hab ich gelesen und Dokumentationen gesehen. Mein Großvater war mein einziger lebender Kontakt…

  • Immer ehrlich ist auch blöd

    Eine simple, faktische Aussage kann dann zu Ungemach führen, wenn die Etikette gebieten würde, sich gefälligst auf die Zunge zu beißen. Der gelernte Twitterant weiß das. Der kleine Bub wusste das vor 30 Jahren noch nicht. Leider. Meine damalige Tante hatte gerade den Arbeitgeber gewechselt. Frosta, Tiefkühlsuper oder so ähnlich hieß er, jedenfalls war es…