Mausezahn flieg!

Mausezahn flieg!

Mausezahn liegt auf der Couch, meine Frau neben ihr, der Fernseher läuft. Aus dem Augenwinkel nehme ich Notiz von der gewohnten Alltagsszene. Irgendetwas irritiert mich an dem Bild während ich den Einkauf auf die Kredenz wuchte. Kontrollblick: ein Waschlappen liegt auf Mausezahn‘s Gesicht. Also doch.

Sie wollte ins Karussell am Kinderspielplatz einsteigen, ist ausgerutscht und mit dem Kopf gegen den Handlauf geknallt, erklärt meine Frau. Mausezahn schluchzt. Gebrochen scheint nichts zu sein, sie zittert. Anscheinend geschockt, sonst ok. Das gehört halt dazu zum Spielen, brabbelt der Spießer in mir. Sie friert.

Ich kann mich an die eine oder andere Blessur erinnern, die ich mir als Kind zugezogen habe: Schürfwunden, Prellungen, Schnittwunden. Brüche waren nicht dabei. Eltern von heute wirft man vor, ihre Kinder in Watte zu packen um sie vor Schaden zu schützen. Trifft das auch auf uns zu, frage ich mich?

Mit drei Jahren hatte Mausezahn ihren ersten Beinbruch, ein Jahr später eine Verstauchung, ein ausgeschlagener Zahn, danach wieder eine Verstauchung, dann ein gebrochener Finger, ein Geschenk aus dem Trampolin, sie hätten „Popcorn“ gespielt. Mittlerweile können wir am Schmerzschrei erkennen, ob Ambulanz oder nicht. Man gewöhnt sich dran.

Am Karussell messen sich auch ihre Freundinnen der Hofpartie. Beim Abendessen taut Mausezahn wieder auf. Lena setzt sich immer verkehrt rein. Einmal ist sie während der Fahrt rausgerutscht und nurmehr mit einem Fuß hängengeblieben, erzählt sie. Dass wir darüber lachen motiviert zu einem Lächeln und der Preisgabe weiterer Geheimnisse: Vivien hängt sich während voller Fahrt außen an die Haltegriffe.  Wie eine Fahne am Fahnenmast. Wenn sich das Karussell schnell genug dreht, lässt sie aus und fliegt. Wir lachen. Mausezahn lacht, der Bann scheint  gebrochen. Sie betastet abschließend Nase und Hals. Ich seh mir das genau an und beruhige sie: Das werden höchstens blaue Flecken. Morgen ist das weg. Erledigt.

 Gerade fällt mir ein, dass sie gestern mit ihrer Freundin Bärlauch gesammelt hat,  im Wald. Im Wald? Mausezahn, wir müssen morgen reden!

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.